Praxistipp: Ein Beirat unterstützt in Krisenzeiten

Die Ursachen für Unternehmenskrisen sind vielschichtig. Häufig werden sie durch strategische Fehlentscheidungen und Managementdefizite ausgelöst. Die negativen Folgen fallen meist erst Jahre später auf. In solch schwierigen Situationen kann es sinnvoll sein, einen sogenannten Beirat einzurichten. Er unterstützt die Arbeit des Betriebsrats als Kommunikator, Berater und Mediator.

Die Ursachen für Unternehmenskrisen sind vielschichtig. Häufig werden sie durch strategische Fehlentscheidungen und Managementdefizite ausgelöst. Die negativen Folgen fallen meist erst Jahre später auf. In solch schwierigen Situationen kann es sinnvoll sein, einen sogenannten Beirat einzurichten. Er unterstützt die Arbeit des Betriebsrats als Kommunikator, Berater und Mediator.

Noch Jahre später können strategische Fehlentscheidungen und Managementdefizite zu Unternehmenskrisen führen. Hat ein Unternehmen versäumt in die Weiterentwicklung des Produkt- und Serviceangebotes zu investieren, verliert es die Innovationsfähigkeit und damit die Wettbewerbsfähigkeit. Der Wirtschaftsausschuss könnte derartige Fehlentwicklungen aufgrund seiner im Betriebsverfassungsgesetz festgelegten Funktion rechtzeitig erkennen –  wenn er umfassend und zeitnah über strategische Entscheidungen informiert wird. „In unserer täglichen Praxis stellen wir jedoch fest, dass der Wirtschaftsausschuss bei bevorstehenden Veränderungsprozessen in der Regel viel zu spät informiert wird“, berichtet Michael Oesterreicher  aus seiner langjährigen Erfahrung. „Gleichzeitig wird er mit Vorstellungen und Forderungen des Arbeitgebers konfrontiert, die auf großes Unverständnis bei den Arbeitnehmern stoßen.“

Personalabbau nur kurzfristige Lösung

Befindet sich das Unternehmen in einer Ertrags- und Liquiditätskrise, greifen in der Regel nur noch harte Einschnitte und Sofortmaßnahmen. Dazu gehört meist auch Personalabbau – eine Maßnahme die nur kurzfristig zu operativen Einsparungen führt und das Vertrauen der Belegschaft in die Unternehmensführung auf eine harte Probe stellt.

„Für den Weg aus der Krise müssen langfristige Perspektiven geschaffen werden und die Krisenursachen konsequent beseitigt werden“, weiß der Sachverständige Rolf Ophoff. Etwa indem in die Qualifikation der Mitarbeiter investiert wird,  so können Leistung und Produktivität verbessert werden. Auch die Umverteilung der finanziellen und personellen Ressourcen im Produkt- und Marktkonzept kann eine sinnvolle Lösung sein. Ophoff: „Ziel sollte immer sein, dass am Ende ein tragfähiger Kompromiss zwischen den Parteien zustande kommt“.

Der Beirat als Kommunikator, Berater und Mediator

In solchen außergewöhnlichen Situationen muss eine funktionierende Kommunikationsebene vorhanden sein, um Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer lösungs- und zielorientiert auszutragen.
„Wir haben festgestellt, dass die Errichtung eines kompetenten Beirats, der sich aus Betriebsräten, Experten und Sachverständigen zusammensetzen kann, wesentlich zur Verbesserung der Kommunikation beiträgt“, so Ophoff. So könne das verlorene Vertrauen der Belegschaft in die Unternehmensleitung wieder aufgebaut werden. Auch wenn während des Veränderungsprozesses Anpassungen der getroffenen Vereinbarungen nötig werden, hilft der permanente Informationsaustausch, gegenseitiges Verständnis zu gewinnen.

Damit der Beirat seine Aufgaben erfüllen kann, müssen die darin tätigen Experten und Sachverständige über die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen verfügen. „Sie müssen die komplexen Vorgänge in allen wirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten und deren Effekte auf die Einhaltung von Unternehmensplänen verstehen“, so Oesterreicher. Dann könne ein Beirat in der Rolle des Mediators, Kommunikators und Beraters die Arbeit von Betriebsräten oder Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses gewinnbringend unterstützen.

Funktionen eines Beirats

  • Verbesserung der Kommunikation zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in wirtschaftlich schwierigen Situationen
  • Einbindung von Branchenexpertise und betriebswirtschaftlichem Wissen zur Optimierung von betrieblichen Prozessen
  • Sparrings-Partner für Arbeitgeber in fachlichen Auseinandersetzungen hinsichtlich der Wahl der geeigneten Mittel
  • Unterstützung der Arbeit des Betriebsrates und der Mitglieder des Wirtschaftsausschusses bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in Sondersituationen
  • Laufende Plausibilisierung von Initiativen während der Realisierungsphase von Veränderungsprozessen


Michael Oesterreicher und Rolf Ophoff sind als Sachverständige in verschiedenen Beiräten von mittelständischen Unternehmen und Großunternehmen tätig, die jeweils unterschiedliche Bezeichnungen (Lenkungsausschuss, Steering Committee, u.a.) annehmen können.